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Ökologisches Bauen am Niederrhein

Schwerpunkt des Erasmus-Plus-Projektes „Recycle your future“

Im Rahmen der Mobilität „Recycle your future“ stand das nachhaltige Bauen im Mittelpunkt zahlreicher Aktivitäten und Exkursionen. Ziel war es, verschiedene ökologische Baumaterialien sowie nachhaltige Baumethoden kennenzulernen und deren praktische Anwendung in Unternehmen, öffentlichen Gebäuden und innovativen Start-ups zu analysieren.

Zu Beginn der Mobilitätswoche wurde das Thema Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene eingeführt. Bereits bei der Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt Viersen wurde deutlich, dass nachhaltiges Bauen eine zentrale Rolle in der Stadtentwicklung spielt. Die anschließende historische Stadterkundung zeigte, dass der Erhalt und die Umnutzung bestehender Bausubstanz ein wesentlicher Bestandteil nachhaltigen Bauens sind, da durch Sanierung und Weiterverwendung von Gebäuden Ressourcen, Energie und Baumaterialien eingespart werden.

Am zweiten Tag lag der Fokus auf nachhaltigen Baumaterialien im öffentlichen Bauwesen. In den Vorträgen zur ökologischen Bauweise in Viersen wurde erläutert, dass bei kommunalen Gebäuden zunehmend nachwachsende Rohstoffe, recycelbare Materialien sowie energieeffiziente Baukonzepte eingesetzt werden. Besonders hervorgehoben wurden der Einsatz von Holz, recyceltem Beton, natürlichen Dämmstoffen wie Zellulose oder Holzfaser sowie Bauweisen, die auf eine lange Lebensdauer und einfache Rückbaubarkeit ausgelegt sind. Das Gebäude des Stadt- und Kreisarchivs diente dabei als konkretes Beispiel für nachhaltige Planung, bei der Materialwahl, Energieverbrauch und Ressourcenschonung miteinander verbunden werden.

Ein zentraler inhaltlicher Schwerpunkt war der Besuch eines holzverarbeitenden Unternehmens in Niederkrüchten, das sich auf ökologisches Bauen spezialisiert hat. Dort wurde deutlich, dass Holz als Baustoff eine Schlüsselrolle im nachhaltigen Bauwesen spielt. Das Unternehmen setzt auf regional gewonnenes Holz, kurze Transportwege und eine energiearme Verarbeitung. Holz wird nicht nur als tragendes Element, sondern auch für Fassaden, Innenausbau und Dämmkonstruktionen genutzt. Durch diese Bauweise wird CO₂ langfristig gebunden, während gleichzeitig ein gesundes Raumklima entsteht. Ergänzt wird diese Methode durch modulare Baukonzepte, die eine flexible Nutzung und spätere Wiederverwertung der Bauteile ermöglichen.

Auch der Besuch eines ökologischen Bauernhofs verdeutlichte die enge Verbindung zwischen nachhaltiger Landwirtschaft und Bauwesen. Die dortigen Gebäude bestehen teilweise aus Holz, Lehm und anderen natürlichen Materialien, die lokal verfügbar sind und ohne energieintensive Herstellungsprozesse auskommen. Diese Bauweise zeigt, dass nachhaltige Baumaterialien nicht nur im urbanen Raum, sondern auch in landwirtschaftlichen Betrieben sinnvoll und wirtschaftlich eingesetzt werden können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt nachhaltiger Baumethoden wurde beim Besuch des Start-ups „Willowprint“ in Aachen vorgestellt. Das Unternehmen arbeitet mit großformatigem 3D-Druck und verwendet dabei nachhaltige, biobasierte oder recycelte Materialien. Diese innovative Bauweise ermöglicht eine präzise Materialverwendung, wodurch Abfall deutlich reduziert wird. Gleichzeitig können Bauteile exakt an ihre statischen Anforderungen angepasst werden, was den Materialeinsatz insgesamt minimiert. Die Kombination aus digitaler Planung, ressourcenschonenden Materialien und lokaler Produktion zeigt einen zukunftsweisenden Ansatz für nachhaltiges Bauen.

Abschließend wurde in Köln das Thema Nachhaltigkeit auf den gesamten Lebenszyklus von Produkten ausgeweitet. Die Konzepte des nachhaltigen Konsums, des Recyclings und der fairen Produktion lassen sich direkt auf das Bauwesen übertragen. Auch beim nachhaltigen Bauen spielt es eine entscheidende Rolle, woher Materialien stammen, unter welchen Bedingungen sie produziert werden und ob sie am Ende ihres Lebenszyklus wiederverwertet werden können.

Insgesamt zeigte die Mobilitätswoche, dass nachhaltiges Bauen auf einer bewussten Auswahl von ökologischen, langlebigen und recycelbaren Baumaterialien basiert und durch innovative Bauweisen wie Holzbau, modulare Konstruktionen und 3D-Druck ergänzt wird. Die besuchten Unternehmen und Institutionen verdeutlichten, dass nachhaltige Baumethoden bereits heute erfolgreich umgesetzt werden und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur ressourcenschonenden Zukunft leisten.

Jasper Thelen (EF)

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