Das Fach Erdkunde in der Oberstufe

Wenn ihr Erdkunde – in der Oberstufe sagt man auch Geographie – in der Einführungsphase (EF) wählt, werdet ihr einiges von dem wiedererkennen können, womit ihr euch schon in der Sekundarstufe 1 beschäftigt habt. Das liegt daran, dass wir ein sogenanntes Spiralcurriculum haben, in dem vergleichbare Themen in komplexeren Zusammenhängen und verbunden mit einem steigenden Anspruchsniveau wieder aufgegriffen werden. Ähnliches trifft auch auf die verwendeten Methoden zu. Aus der Sekundarstufe 1 kennt ihr bereits  das Arbeiten mit z.B. Tabellen, Grafiken, Bildern und Texten. Damit sowie mit neuen, auch digitalen, Darstellungsformen und bislang unbekannten Modellen werdet ihr umgehen lernen. Zudem schult ihr eure mündliche und schriftliche Präsentationsfähigkeit durch Referate, Planspiele etc. Ihr werdet räumliche Entwicklungen und Prozesse verstehen und bewerten lernen und dadurch Möglichkeiten für euer eigenes Handeln entwickeln können. Das alles, um für folgende Generationen nachhaltige Lebensgrundlagen zu bewahren und den Chancen und Risiken durch die Globalisierung begegnen zu können. Die Beschäftigung mit fremden Kulturen  sensibilisiert euch zudem Konflikte zu entschärfen und zu einem friedlichen demokratischen Miteinander beizutragen.

 

Die Einführungsphase (EF) soll inhaltlich und methodisch auf die Qualifikationsphase vorbereiten. Dazu gehört auch die Angleichung von Wissen und Kompetenzen, da ihr in den Kursen mit Schülern und Schülerinnen zusammen seid, die aus verschiedenen Schulen kommen und unterschiedliche Vorkenntnisse haben.

 

In der EF gibt es zwei übergreifende Inhaltsfelder:

 

  1. Lebensräume und deren naturbedingte sowie anthropogen (durch den Menschen) bedingte Gefährdung

Ihr werdet die  Landschaftszonen der Erde  als Ergebnis von naturgeographischen Kräften ( Tektonik, Vulkanismus, Klima, Boden) und dem        Handeln des Menschen kennen lernen, ebenso deren Bedrohungen, z.B. durch die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels.

 

  1. Raumwirksamkeit von Energieträgern und Energienutzung

Energieverfügbarkeit hat eine besondere Bedeutung für wirtschaftliches Handeln und ist oftmals Auslöser für politische Auseinandersetzungen.

Ihr werdet euch mit der Förderung fossiler Energieträger beschäftigen und Möglichkeiten und Grenzen deren Nutzung kritisch beurteilen lernen, was angesichts des global steigenden Energiebedarfs, der Ressourcenverknappung und des Klimaschutzes sehr wichtig ist. Als Alternative lernt ihr die Nutzung regenerativer Energien als Beitrag zu einem nachhaltigen Wirtschaften kennen.

Mit einem der beiden Inhaltsfelder verbunden ist ein eintägiger Unterrichtsgang, z.B. in die Vulkaneifel oder in das niederrheinische Braunkohlenabbaugebiet, um euch eine originäre Begegnung mit den Unterrichtsinhalten zu ermöglichen.

In der Qualifikationsphase (Q1/Q2) sollen euch grundlegende räumliche Strukturen und Prozesse bewusst gemacht werden, die den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zugrunde liegen. Im Grundkurs und im Leistungskurs werden deshalb die gleichen Inhaltsfelder bearbeitet, jedoch können diese im Leistungskurs exemplarisch vertieft und/oder durch weitere Raumbeispiele ergänzt werden. Zudem ermöglicht das höhere Zeitkontinent die stärkere Betonung des selbstständigen Arbeitens und gemeinsamen Reflektierens und die Möglichkeit nach eigenen Interessen Schwerpunkte zu setzen.

In den letzten Jahren haben wir die Studienfahrt eng an die Leistungskurse angebunden und mit den SchülerInnen gemeinsam geplant und organisiert. Um so einen (selbstgewählten) Raum mit „geographischen Augen“ kennen zu lernen und die dortigen Prozesse gemeinsam zu diskutieren und zu verstehen.

 

In der Qualifikationsphase (Q1/Q2)   gibt es fünf übergreifende Inhaltsfelder

  1. Landwirtschaftliche Strukturen in verschiedenen Klima- und Vegetationszonen

Die Landwirtschaft in verschiedenen Klima- und Vegetationszonen steht in einem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und ökologischen Notwendigkeiten. Die Kenntnis über Möglichkeiten und Formen der landwirtschaftlichen Produktion sind deshalb eine wichtige Voraussetzung für die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen durch nachhaltiges Wirtschaften.

 

  1. Bedeutungswandel von Standortfaktoren

Da ihr als spätere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen direkt vom wirtschaftsräumlichen Strukturwandel betroffen seid, ist es wichtig diesen zu verstehen. Sowohl im Hinblick auf Veränderungen in den wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen als auch im Hinblick auf die Auswirkungen der Mobilität von Menschen und Gütern. So werdet ihr euch besonders mit Wachstumsregionen beschäftigen im Zusammenhang mit veränderten Produktionsbedingungen und einer hoch entwickelten Infrastruktur.

 

  1. Stadtentwicklung und Stadtstrukturen

Dies ist ein sehr reizvolles Inhaltsfeld, da es durch Exkursionen ( vor Ort) vielfältige originäre Begegnungen ermöglicht. Modelle werden zudem leichter verständlich durch einen Vergleich mit eigenen Entwürfen, die das Leben in einer Stadt bereichern oder erleichtern könnten.

Die Merkmale, innere Differenzierung und der Wandel von Städten stehen im      Mittelpunkt dieses Inhaltsfeldes. Zudem der weltweite Verstädterungsprozess, dessen Verständnis Voraussetzung zur Gestaltung einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung ist.

 

  1. Sozioökonomische Entwicklungsstände von Räumen

Wie kommt es zu den weltweit großen Entwicklungsunterschieden ? Diese Frage könnt ihr beantworten, nachdem ihr Merkmale und Ursachen räumlicher Disparitäten (Ungleichheiten) kennen gelernt habt, aber auch wirtschaftspolitische Zielsetzungen erkennen könnt, die oftmals wenig Rücksicht nehmen auf die Bedürfnisse der in einem weniger entwickelten Land lebenden Menschen und noch weniger auf die Tragfähigkeit eines Raumes.

 

  1. Dienstleistungen in ihrer Bedeutung für Wirtschafts- und Beschäftigungsstrukturen

Hier steht vor allem der Fremdenverkehr in unterschiedlich entwickelten Räumen im Zentrum der Betrachtung. Raumnutzungskonflikte führen in diesem   Zusammenhang zu Problemen einer nachhaltigen Entwicklung.

Ein zweiter Fokus liegt auf den Veränderungen durch die Globalisierung vor         allem bezogen auf technische Innovationen, Transport und Logistik. Das macht    z.B. die Untersuchung von Welthäfen zu einem reizvollen Gegenstand.

 

 

Entscheidet ihr euch dazu in der Q1 eure Facharbeit in Erdkunde zu schreiben, müsst ihr unter Beweis stellen, dass ihr geographische Arbeitsmethoden an einem nahegelegenen Raumbeispiel anwenden könnt um dortige geographisch relevante Prozesse erkennen, analysieren und bewerten zu können.

 

 

Der Projektkurs „Ruhrgebiet“

Seit drei Jahren bietet die Fachschaft Erdkunde einen Projektkurs „Ruhrgebiet“ an. Wer sich mit Abitur relevanten Themen beschäftigt, stellt sehr schnell fest, dass das Ruhrgebiet ein idealer Untersuchungsraum ist. Hier kann man ausgehend von der Geologie  die Industriegeschichte und den industriellen Strukturwandel erfahren. Zudem ergeben sich vielfältige stadt- und verkehrsgeographische Fragen, die zu eigenen Untersuchungen anregen. Schließlich spielt die touristische Überformung der Metropole heute eine entscheidende Rolle – man denke nur an die Präsentation des Ruhrgebiets als europäische Kulturhauptstadt 2010. Wer einen Projektkurs belegt braucht keine Facharbeit zu schreiben. Das sollte allerdings nicht der ausschlaggebende Faktor für eine Teilnahme sein. Der Schüler/die Schülerin sollte wirklich Interesse für das Gebiet mitbringen – und dafür auch bereit sein, das ein oder andere Wochenende für Exkursionen zu „opfern“.  Beginn des Projektkurses ist das 2. Halbjahr der Q1. Der Kurs endet nach einem Jahr, nach dem 1. Halbjahr der Q2. Am Ende muss eine Arbeit abgegeben werden. Das kann eine schriftliche Ausarbeitung einer eigenen selbstgewählten Untersuchung sein. Es kann aber auch z.B. ein gemeinsam gedrehter Film sein. Der eigenen Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.